Der Sattel ist ein typisches Merkmal einer Jeans. Du findest ihn an der Hinterhose, direkt unterhalb vom Hosenbund. Aber hast du dich schon einmal gefragt, warum es diesen Sattel überhaupt gibt? Ist er nur ein gestalterisches Element oder hat er eine wichtige Funktion für die Passform der Hose?
Tatsächlich steckt dahinter ein interessantes Prinzip der Schnittkonstruktion. Der Sattel kann nämlich einen Abnäher ersetzen. Und wenn du verstehst, wie das funktioniert, wirst du Hosenschnittmuster mit ganz anderen Augen betrachten.
Warum braucht eine Hose hinten einen Abnäher?
Eine Hose muss sich an deinen Körper anpassen. Dieser ist dreidimensional, ein Schnittmuster dagegen zunächst einmal flach. Damit aus den flachen Schnittteilen später eine gut sitzende Hose wird, muss es an bestimmten Stellen Form bekommen. Besonders deutlich wird das an der Hinterhose.
Diese Form entsteht durch Abnäher
Ein Abnäher ist eine keilförmige Falte, die du beim Nähen schließt. Dabei wird an einer bestimmten Stelle Weite weggenommen. Je nachdem, wie viel Weite du herausnimmst und wo der Abnäher liegt, verändert sich die Form des Schnittteils. Bei einer Hose sorgt der Abnäher dafür, dass sie zur Taille hin schmaler wird. Aber Achtung: Der Abnäher darf nicht zu groß sein. Damit ist nicht die Länge gemeint, sondern der Abnäherinhalt, die Breite. Wenn das zu viel ist, entsteht unter der Spitze eine Beule, was als Tüte bezeichnet wird. Hier ist es besser, die Weite auf zwei Abnäher zu verteilen.
Warum reicht es nicht, einfach die Seitennaht schmaler zu machen?
Der Po hat eine runde Form und braucht viel Platz und damit viel Stoff. Nach oben, zur Taille, wird der Körper schmaler, auch wenn es manchmal nicht so wirkt. Wenn man die Weite nur an der Seitennaht wegnimmt, würde die Hose in der Mitte hinten abstehen. Besonders deutlich wird es bei einem Hohlkreuz, da berichten viele, wie sehr es sie nervt, dass die Hose dort absteht. Dort würde dann ein zweiter Abnäher helfen.
Der Sattel ersetzt den Abnäher
Der Sattel übernimmt bei einer Jeans eine ähnliche Funktion wie der Abnäher. Er sorgt dafür, dass die Hinterhose zur Taille hin schmaler wird und sich an die Körperform anpasst. Der entscheidende Unterschied: Die Weite wird nicht durch einen keilförmigen Abnäher reduziert, sondern durch eine geschwungene Naht, die quer über die Hinterhose verläuft. Diese Naht reicht von der Seitennaht bis zur Schrittnaht. Sie trennt den oberen Bereich der Hinterhose vom großen unteren Hosenteil.
Wie diese Form entsteht
Dafür schauen wir uns ein einfaches Schema an:

Stell dir vor, du legst das Schnittmuster der Hinterhose flach auf einen Tisch. Du siehst ein zweidimensionales Schnittteil aus Papier. Nun kneifst du den Abnäher zusammen, bis seine beiden Linien aufeinanderliegen. Genauso, wie du ihn später auch nähen würdest.

Das Papier liegt nicht mehr flach auf dem Tisch. Es wölbt sich nach oben. Durch das Schließen des Abnähers ist aus der flachen Fläche eine dreidimensionale Form geworden.
So entsteht der Sattel

Der Abnäher ist geschlossen. Dann zeichnest du auf Höhe der Abnäherspitze eine Linie von der Seitennaht bis zur Schrittnaht ein. Anschließend schneidest du das Schnittmuster entlang dieser Linie komplett auf.
Was passiert mit der eingeschnittenen Linie?

Sie öffnet sich, weil das Schnittmuster flach liegen will. Die eingeschnittene Linie dreht sich auf. Es entstehen zwei Schnittteile: oben der Sattel und darunter das große Hosenteil. Der ursprüngliche Abnäher ist überflüssig.

Die Weite wird also nicht mehr durch einen Abnäher reduziert, sondern durch die Konstruktion des Sattels. Wenn der Sattel an die Hose genäht wird, ist die Form genauso wie am Anfang, als nur der Abnäher geschlossen wurde - dreidimensional und der Po passt dort hinein.
Der Sattel und die Abnäher-Tüten
Erinnerst du dich an die kleinen Beulen, die bei einem sehr breiten Abnäher entstehen können? Das gleiche kann auch beim Sattel passieren, wenn der Übergang an der ursprünglichen Abnäherspitze zu geknickt ist. Hier musst du einen harmonischen Übergang finden. Trau dich ruhig die Ecke etwas flacher zu zeichnen.
Eine Hose mit Sattel sitzt nicht automatisch besser. Die genaue Form der Sattelnaht und die übrige Schnittkonstruktion spielen eine wichtige Rolle. Aber der Sattel bietet eine weitere Möglichkeit, die benötigte Form in die Hinterhose zu bringen. Er ist ein prägendes Gestaltungselement der Jeans. Die geschwungene Naht gehört für viele Menschen ganz selbstverständlich zum typischen Jeanslook.
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