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1000 Stoffe für Hosen – einer schöner als der andere, aber welcher passt zu dir?

Immer wieder fragen mich Kunden welche Stoffe für Hosen am besten geeignet ist, also welcher Stoff gut aussieht. Das ist natürlich Geschmackssache aber es gibt ein paar Dinge die dir die Auswahl erleichtern.

Ich finde Stoff aussuchen ist das Schönste am Nähen, da kann ich so richtig drin schwelgen. Am besten alleine, das kann nämlich ganz schön dauern. Soll es der dezente, feine Fischgrat in hellgrau sein, oder doch lieber der schön fließende Viskosestoff in beere? Oder beide? Was passt wirklich zu meinen Oberteilen? Lass ich mich jetzt hinreißen?

Früher hab‘ ich mich manchmal ganz schön vertan. Entweder lag der Stoff dann ewig zu Hause rum oder aber die Hose wurde anders als gedacht.

Am Anfang stehen die unterschiedlichen Materialien, der Grundstoff aus dem der Stoff hergestellt ist, z.B. aus Baumwolle oder Viskose. Also was bedeutet das und was macht das mit dem Stoff?
Dann sind die Stoffe durch die Art wie sie gewebt sind sehr unterschiedlich. Bei Jeanshosen sind so schräge Linien, bei Leinen sind die Fäden ganz gerade gewebt, also waagerecht und senkrecht. Und je nachdem wie ein Stoff gewebt ist, fällt er anders.

Ein Tipp: wenn du dir einen Stoff im Laden aussuchst, halte dir diesen vor dem Spiegel an die Beine und schau genau wie er fällt. Dadurch kannst du schon mal eine Menge sehen.

So und nun erfährst du in diesem Beitrag was die Unterschiede von den einzelnen Stoffen sind und was das bewirkt:

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die die Eigenschaften von einem Hosenstoff beeinflussen:

  1. Die Fasern, das ist der Grundstoff für das gesponnene Garn, z.B. Baumwolle oder Kunstfaser. Wolle kann von unterschiedlichen Tieren kommen. z.B. Schaf oder Alpaka. Die Faser bestimmt, ob der Stoff weich oder robust ist, Feuchtigkeit aufnehmen kann oder auch leicht knittert
  2. Die Zusammensetzung: z.B. Baumwolle mit Elasthan macht den Stoff dehnbar
  3. Die Ausrüstung: wie ist ein Stoff nachbehandelt, z.B. das Antipilling bei Wolle.
  4. Je nach Webart, ergibt sich ein bestimmtes Muster, ein anderer Griff oder Fall.
  5. Drucke bestimmen das Muster, also die Optik

Tierische Fasern

Wolle kommt vom Schaf, das wirst du sicherlich wissen, aber eher unbekannt ist die Unterscheidung zwischen Schurwolle und Wolle. Schurwolle ist, wie der Name sagt vom geschorenen, lebenden Schaf. Ein Gütezeichen ist das anerkannte Wollsiegel.

Wenn auf dem Etikett nur Wolle steht ist es oft Reißwolle. Diese wird von alter Kleidung, Stoffen etc. wiedergewonnen. Die Fasern werden auseinander gerissen und neu versponnen.
Schurwolle ist sehr wärmend und knittert kaum. Reißwolle wärmt auch, aber durch die Verarbeitung verlieren die Fasern an Elastizität und der Stoff knittert leichter. Wolle ist kaum saugfähig, also eher Wasser abweisend. Durch die leicht fettige Eigenschaft vom Haar wird Schmutz nicht so leicht aufgenommen. Damit hat Wolle tolle Eigenschaften.

Seide wird aus dem Kokon der Seidenraupe gewonnen. Sie ist leicht und fein und wird oft für Tücher und Seidenschals verwendet. Ich selber bevorzuge Hosenstoffe, wo ein Seidenanteil enthalten ist. Diese haben einen leichten Glanz und fühlen sich auf der Haut angenehm an. Seide ist besonders angenehm zu tragen, wenn es sehr warm und trocken ist.

Pflanzliche Fasern

Baumwolle stammt von der Baumwollpflanze. Die Fasern sind watteartig und hängen an den Samen der Baumwollkapsel. Sie ist sehr leicht, sehr saugfähig und robust. Sie ist sehr alltagstauglich, da sie viele Wäschen verträgt.

Leinen wird aus dem Stängel der Flachspflanze gewonnen und ist ein sehr altes Material. Es kann sehr viel Feuchtigkeit aufnehmen, ist extrem strapazierfähig, aber knittert leicht. Außerdem trägt es sich im Sommer angenehm, weil es eine kühlende Oberfläche hat.

Hanfstoff stammt aus dem Stängel der Hanfpflanze. Er ist noch robuster und saugfähiger als Leinen.

Hybrid-Fasern

Es gibt Stoffe, deren Grundstoff Naturmaterialien sind, diese werden aber chemisch umgewandelt. Diese werden dann als Zellulosische Chemiefasern bezeichnet.

Viskose aus Holzfasern gewonnen chemisch umgewandelt. Sehr saugstark, glänzend, gleichmäßig, atmungsaktiv, sehr weich und angenehm zu tragen

Modal wird als die bessere Viskose bezeichnet. Es wird aus den Holzfasern der Buche hergestellt aber das Spinnverfahren ist anders als bei der Viskose. Modal ist sehr saugfähig, atmungsaktiv, weich und anschmiegsam. Außerdem ist es knitterarm und formbeständig

Tencel (Lyocell) ist eine Weiterentwicklung von Modal und ist komplett kompostierbar

Kunstfasern

Polyester Ist die bekannteste Kunstfaser. Grundbaustoffe sind Steinkohle, Kalk, Erdöl und Erdgas.
Früher war Polyester ein Material, in dem man schwitzte, weil es nicht atmungsaktiv ist. Mittlerweile gibt es gerade bei den Funktionsstoffen welche, bei denen das anders ist. Ich persönlich verarbeite keine Kunstfaser, weil ich die Haptik und nicht so schön finde. Vorteile: Polyester ist günstig, pflegeleicht und knittert nicht. Weitere typische Kunstfasern sind Polyamid, Polyacryl etc.

Webarten

Je nachdem wie ein Stoff gewebt ist, bekommt er neben dem Material eine zusätzliche Eigenschaft. Auf dem Bild siehst du die verschiedenen Begriffe. Die Kettfäden werden auf den Webstuhl gespannt und geben die Länge von dem entstehenden Stoff vor. Sie sind stabiler als die Schussfäden, weil sie stark gespannt sind. Das bedeutet, dass sie in der Regel auch schwerer als die Schussfäden sind. Deshalb fällt ein Stoff senkrecht an den Körper gehalten schöner. Man sprich auch von dem Fadenlauf. Der Schussfaden wird laufend über und unter die Kettfäden gezogen. Damit bestimmt er das Muster. Je nachdem über wie viele Kettfäden er oben oder unten liegt entsteht das Muster.

Leinwandbindung – Köperbindung – Atlasbindung

Die Leinwandbindung ist die einfachste Webart. Die Fäden wechseln sich beim Weben nach jedem Kettfaden ab. Also liegt der Schussfaden über einem Kettfaden und dann wider darunter us.w. Sie gibt dem Stoff einen eher steifen Fall.


Bei der Köperbindung (Twill/Serge) wird versetzt gewebt, wie auf dem Bild abgebildet. Es entsteht eine diagonale Struktur, wie du sie von Jeansstoffen kennst. Der Fall ist geschmeidiger als bei der einfachen Leinwandbindung und sehr robust.


Bei der Atlasbindung (Satin) liegen sehr viele Schussfäden über den Kettfäden. dadurch entsteht eine glattere Oberfläche mit einem weicheren Fall. Der Stoff ist aber nicht so stabil, weil die Fäden lockerer liegen. Du kennst das sicherlich, wenn sich beim Satin ein Faden zieht.

Jacquardbindung – Kreppbindung

Für den Jacquard gibt es spezielle Jacquard-Webstühle. Grundlage ist die Atlasbindung. Je nachdem wie die Fäden durch die Kettfäden laufen, entsteht ein Muster.


Es gibt echten und unechten Krepp. Beim unechten Krepp verlaufen die Schussfäden ganz unregelmäßig. Bei dem echten Krepp ist der Schussfaden, also das Garn schon unregelmäßig verdreht, so dass der Kreppeffekt entsteht.

Elasthan (Lycra)

Elasthan ist eine synthetische Faser und kann sich bis zu 500% dehnen und in seine ursprüngliche Form zurückkehren. Es wird zu einem bestimmten Prozent mit in den Stoff eingewebt. Da Elasthan sehr steif ist, wird auch der Stoff bei einem höheren Anteil Elasthan steifer.

Du hast bestimmt schon mal auf einem Stoffetikett gesehen, wie hoch der Elasthan-Anteil in einem Stoff ist. Da steht dann z.B. 3% Elasthan. Das hat aber nichts mit der Dehnbarkeit zu tun. Zwei Stoffe mit der gleichen Prozentzahl können sich ganz unterschiedlich ausdehnen.

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2 Kommentare

  1. Ich konnte mir den tollen Kurs zur Hose erst im Nachhinein anschauen, weil ich krank war. Aber auch ohne persönlichen Kontakt bin ich restlos begeistert. Wenn ich wieder zu Hause bin, werde ich einen Hosenschnitt für mich abwandeln. Herzlichen Dank für die fantastischen Erklärungen.

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